Heute vor einem Jahr | Emma denkt.
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Heute vor einem Jahr

Du kannst ihn einfach nicht verstehen, meinen trotzigen Hunger nach Stille. Ich nehme es dir nicht übel. Übel nehme ich es bloss mir selbst. Wie könnte ich auch anders. Es gab Zeiten, da bat ich dich, nächtelang in Herzlautstärke mir zu reden, da unsere Worte mir die Furcht im Magen abschnürten und die Stille in meinen Adern verflüssigte. Sag, wo sind jene Zeiten geblieben?

Heute vor einem Jahr waren wir Wir. Was wir heute sind, lässt sich schlecht sagen und vermutlich würden wir es schweigen wollen, auch wenn wir anders könnten. Das ist wohl die unausgesprochene Tücke am Zusammen(gewachsen) sein, die sich nach und nach einstellende und immer griffiger Wurzeln schlagende Angst davor, einst wieder auseinanderfallen zu können. Irgendwann erneut nichts weiter als man selbst zu sein. »Nichts weiter« als man selbst, was für eine beängstigende Imagination. Und wie unzureichend doch darüber hinaus. Ton in Ton in grau meliert, allerhöchstens. Haha.

Und so sitzen wir nun beide in jener Bar, in der wir auch vor einem Jahr schon sassen, lachend und feixend, mit Küssen dazwischen, die nach gutem Rotwein, gesalzenen Erdnüssen und Liebe schmeckten. Hier und jetzt sind da keine Küsse weit und breit und die Schale mit Erdnüssen, die zwischen uns steht, markiert eine Linie, die niemand von uns beiden zu übertreten wagt. Was ist bloss passiert mit uns?

Ebenso unmerklich wie wir uns offenbar aus Augen wie Sinnen verloren, ist es in den letzten Tagen und Wochen um uns herum leise raschelnd Herbst geworden. Jener scheidet bekanntlich die Geister – und hin und wieder offenbar auch Herzen. Da sitzen wir nun wie Bruchpiloten vor den Trümmern ihrer Vergangenheit und sehen einander mit dem exakt gleichen, ebenso sorgenvollen wie fragenden Blick an.

»Warum…?«, flüsterst du.

»Das ist einfach nicht fair«, antworte ich resigniert, während ich meinen, sich vor Tränen trübenden Blick abwende.

Nein, »fair« ist es nicht. Weder das Leben an sich, noch die Liebe im Konkreten. Und dennoch wird es weitergehen. Über die grenzmarkierende Erdnussschale zwischen »uns« hinaus. Über ein Jahr voller gemeinsamen Glücks hinweg.

Überdies und das.
Über-Uns.
Über-Dich.
Über-Ich.

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