Über Apfelkuchen, Liebe und andere Kleinigkeiten

Fragst du dich, ob es eine Rolle spielt? All das, wonach wir streben in einem von so vielen gleichzeitigen, vergangenen, zukünftigen Leben, was wir denken und fühlen, sagen und tun? All die kollektiv einsamen Versuche, den Mut zu fassen, zu werden, wer wir im Grunde schon immer gewesen sind und darauf zu hoffen, dass alles gleichbleibend anders wird?

Möglicherweise wollen wir es gar nicht wissen.

Dienstagmorgen. Ich sitze im Zug auf dem Weg zur Arbeit. Neben mir liest eine Frau Zeitung, der Mann, der mir gegenüber sitzt, tippt unaufhörlich Buchstaben zu Worten und alsbald ganzen Sätzen in sein Notebook. Einige Plätze weiter unterhalten sich zwei junge Männer über ihren geplanten Ski-Urlaub. Ich blicke aus dem Zugfenster, die sich hinter einer Nebelwand hervorkämpfende Sonne blendet kaum, sodass ich hinsehe. Nur kurz, dann bildet sich auch schon jener wohlbekannte Fleck im Zentrum meines Sichtfeldes – nur kurz, aber dennoch.

Geht es am Ende womöglich um eben solche, auf den ersten Blick unwichtige Dinge und nichts weiter? Im wärmenden Sonnenlicht baden, sich mit anderen über die eigenen Pläne und emotionalen Landkarten unterhalten, waghalsig genug sein, jeden Tag aufs Neue morgens aufzustehen und ins Leben hinauszugehen. Ein Buch lesen und dabei in Kopf und Herz jener Person eintauchen, die es schrieb, Apfelkuchen essen, jemanden beispielhaft schmerzhaft, da wahrhaft lieben.

Ich weiß es nicht, aber ich fände es schön. Wenn die vermeintlichen Kleinigkeiten unserer Tage still und heimlich deren Hauptdarsteller, die Essenz allen Seins wären. Und wenn jene, die sich ihrer gewahr würden, sie sammelten wie hübsche Steine oder Muscheln am Strand und darob aufrichtig glücklich würden. Auch wenn ich wenig bis gar nichts weiss, von diesem Bild in mir bin ich überzeugt. Vielleicht, da es schon immer Nebensächlichkeiten und Bruchstücke waren, die mich in ihren Bann gezogen haben. Womöglich, da ich mit dem grossen Ganzen in seiner verdammten grossen Ganzheit noch nie besonders gut umgehen konnte.

Und so werde ich es auch zukünftig mittragen, jenes Bild. Während ich im morgendlichen Sonnenlicht bade, mich mit anderen über meine Pläne und emotionalen Landkarten unterhalte, während ich mich jeden Tag aufs Neue waghalsig genug fühle, aufzustehen und ins Leben hinauszugehen. Während ich ein Buch lese und dabei in Kopf und Herz jener Person eintauche, die es schrieb. Während ich Apfelkuchen esse, beispielhaft schmerzhaft, da wahrhaft liebe und dabei zu niemand anderem werde, als ich im Grunde schon immer gewesen bin.

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One Comment

  1. Ich wünsch dir für heute ganz viele dieser vermeintlichen Kleinigkeiten, die deinen Tag bunt einfärben und dir ein wohliges und warmes Gefühl schenken! Ich werde später, wenn ich mir mein Stück Himbeerkuchen gönne, ganz fest an dich denken und mich über die Grossartigkeiten in meinem Leben freuen. Danke ❤️

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