Eine Ode an das Unperfekte | Emma denkt.
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Eine Ode an das Unperfekte

Weisst du, was ich mag? Das Unperfekte. Ich mag sie alle, die »Fehler« und Schwächen, die schiefen Nasen und schrägen Ansichten, all die Ticks und Eigenarten.

Jedes Mal, wenn ich eben diese besonderen Eigenarten, jene vordergründigen Makel an jemandem wahrnehme, entdecke, erlebe, fühlt es sich an, als würde ich ein kleines schillerndes Plättchen von dem unfassbar weitläufigen Kaleidoskop des »Wahrhaftigen« des jeweiligen Menschen erkennen. Tatsächlich sehen. Was davon abstrahlt an Licht und Energie, übertrifft nicht selten meine kühnsten Erwartungen.

Ich verliebe mich bisweilen regelrecht in »Fehler« und Makel. In eine Narbe hier, ein dezentes Lispeln da, die Unfähigkeit rechts von links zu unterscheiden, immer und immer wieder erzählte Geschichten… Weil all das Menschen einzigartig macht. Und echt. Da es ihnen Charakter verleiht.

Ist es nicht bemerkenswert, wie oft wir denselben vermeintlichen Makel an anderen charmant finden, während wir ihn an uns selbst verteufeln? Woran liegt das? Oder anders gefragt: was versprechen wir uns davon, uns andauernd vorzuhalten, wie reich an Makeln und entsprechend unzulänglich wir sind? Was ist denn bitteschön anders an Silkes Segelohren gegenüber meiner Adlernase? Oder an Uwes »Andauernd-auf-die-Uhr-schau-Tick« im Vergleich zu meinem Nägelkauen?

Nun, was mit Sicherheit anders ist, ist der Blickwinkel. Stichwort »Aussen- vs. Innenbetrachtung«. Wer erwartet Perfektion von mir? Ich selbst. Und wozu? Um bewundert, anerkannt und geliebt zu werden. Mag ich andere, die durch und durch perfekt wirken? Hm. Kenne ich solche Menschen überhaupt? Hm. Würde ich mich selbst mögen, wäre ich ganz und gar perfekt? Hm. Aber dennoch. Ja, wieso denn eigentlich?!

Eine überzeugende Antwort darauf hat wohl niemand. Aber hey, wir wollen ja schon in fast allen Bereichen unseres Lebens in jeder Sekunde wissen »warum, weswegen, wozu und wofür«, da können wir uns doch getrost in Bezug auf jede unserer Schwächen und Makel selbst herunterputzen, ohne den Hauch einer Ahnung zu haben wofür. Ich meine, wer will denn schon glücklich und zufrieden sein, wäre ja langweilig, nicht wahr?

Ich kann so vieles zum Anlass nehmen, mich über mich selbst aufzuregen. MUSS ich aber nicht. Ich könnte auch endlich einmal versuchen, darauf zu vertrauen, dass auch ich ein schillerndes Kaleidoskop aus Eigenschaften, Besonderheiten, Stärken und Schwächen bin. Und dass eben jene, die es darin glitzern und funkeln sehen, genügen. Dass eben jene mich nicht belügen, sondern meinen platten Hintern in der Tat ebenso liebenswert finden, wie ich ihre Geheimratsecken oder ihr dauerndes Fünf-Minuten-Zuspätkommen.

Weil Makel nun mal einfach toll sind. Weil sie fast alles möglich erscheinen und Freiheiten offen lassen. Weil man sie weder kontrollieren noch schubladisieren kann. Und weil aus so genannten »Fehlern« jeglicher Art immer mal wieder ganz unverhofft Grossartiges entsteht.

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