»Für immer« | Emma denkt.
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»Für immer«

Als ich heute Morgen an diesem einen Hauseingang vorbeigelaufen bin, einem von vielen in einer Reihe immer gleicher Wohnhäuser, habe ich an dich gedacht. Eigentlich nicht nur heute. Jeden Morgen, wenn ich an eben diesem Hauseingang vorbeilaufe, denke ich an dich.

Erinnerst du dich? Du hast mich einmal, spät nachts und betrunken, vor diesem Hauseingang geküsst. Es ist Jahre her und wir haben nie wieder darüber gesprochen. Und dennoch, seither ist er nicht mehr bloss irgendein Hauseingang. Er ist ein Teil unserer gemeinsamen Geschichte geworden, aufgeladen mit Bedeutung, die der Zeit standhält.

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, dass jede Strasse, jeder Platz, jede Ecke und jede Wegbiegung auf dieser weiten Welt für irgendjemanden mit persönlicher Bedeutung aufgeladen ist? Wie unzählig viele, ganz unterschiedliche Sinngehalte und Erinnerungen müssen sich über all die Jahre, die es gewisse Strassen, Plätze, Ecken und Wegbiegungen bereits gibt, in ihnen zusammengefunden haben. Manchmal frage ich mich, ob das gemeint ist, wenn von der »Seele der Dinge« die Rede ist. Und ich frage mich weiter, ob all diese Bedeutungen und Geschichten den Dingen als nicht stoffliche Substanz für immer anhaften oder nur solange, bis menschliches Vergessen eintritt?

Vielleicht wird dieser eine Hauseingang auch für mich eines Tages bloss wieder einer von vielen in einer Reihe immer gleicher Wohnhäuser sein. In der Zwischenzeit aber haben sich bereits andere davor geküsst, gestritten und versöhnt, waren verzweifelt oder glücklich, sodass er im Grunde niemals nur irgendein Hauseingang sein wird.

Und weisst du was? Das ist sie, meine ganz eigene und ungemein tröstende Vorstellung der zwei kleinen aber feinen Worte »für immer«.

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