»Man weiss nie, wofür es gut ist« | Emma denkt.
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»Man weiss nie, wofür es gut ist«

Ich habe nicht allzu viel übrig für weise Sprüche, Lebensweisheiten und dergleichen. In erster Linie, weil sie zwar gut klingen, meist aber zu pathetisch daherkommen, um in konkreten Situationen, akuten Problemlagen oder sonstigen Krisen eine echte Hilfe zu sein. Es gibt da aber, wie bei allem, Ausnahmen. Meine Urgrossmutter zum Beispiel pflegte zu Lebzeiten angesichts der meisten Hürden, Schwierigkeiten, verzwickten oder auch einfach bloss saudoofen Situationen, zu sagen: »Man weiss nie, wofür es gut ist«.

Damit meinte sie, dass die aktuelle Situation zwar vielleicht alles andere als rosig ausschaut, man aber nie weiss, wohin sie einen über Umwege schlussendlich bringen mag, welche durchaus positiven Konsequenzen sich daraus ergeben könnten, was man Wichtiges dabei lernt oder mitnimmt, worüber man zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise einmal mehr als froh sein wird. So kann man frustriert darüber sein, dass man die erhoffte Zusage für den tollen Job nicht bekommen hat, sich wochenlang deswegen die Haare raufen und ihm – dem Job – ewig nachtrauern. Oder man sagt sich: wer weiss, wofür das gut war.

Womöglich wartet um die übernächste Ecke eine passendere Stelle, die ich nicht annehmen könnte, hätte ich die anderen gekriegt. Unter Umständen liegt der Sinn der Absage sogar darin, meine berufliche Situation grundlegend zu überdenken und mich in neue, zuvor nicht in Erwägung gezogene Richtungen zu wagen, die sich als meine Bestimmung, Berufung oder was auch immer herausstellen.

So lässt es sich im Grunde mit jeder Situation verfahren, sei es eine verpasste berufliche Chance, eine gescheiterte Beziehung oder sonstiges (vermeintliches) Pech im Leben. Dem einen oder der anderen mag diese Haltung zu schicksalsbetont oder willkürlich erscheinen und in der Tat – ich habe keine Ahnung, ob im Leben wirklich alles so kommt, wie es soll oder ob wir nicht vielleicht in allem dem reinen Zufall unterliegen. Das weiss niemand.

Vielleicht geht es am Ende auch weniger darum, wie die Realität nun genau ist oder nicht und was hätte werden können oder auch nicht. Womöglich geht es viel eher um die jeweilige Perspektive, die man einnimmt. In welcher Situation auch immer. Darum, auch wenn es mal schlecht läuft, an das Gute zu glauben, das uns womöglich nur zwei symbolische Querstrassen weiter bereits erwartet. Darum, die Zuversicht zu haben, um mit all den täglichen Herausforderungen umgehen zu können, weder daran zu scheitern, noch zu verbittern oder sich dem Fluss aller Dinge zu überlassen.

Ich glaube, jedem gelingt dies anders. Mir persönlich spenden die Worte meiner Urgrossmutter in schwierigen Situationen Trost und Mut. Mut, zu akzeptieren was ist, statt an einer Situation hilflos zu verzweifeln. Mut, um immer wieder aufs Neue nach vorne zu blicken, aufrecht stehend und hoffnungsvoll, dass da noch so viel mehr ist, was zu erwarten sich lohnt. Weil sich vielleicht doch für jede Türe, die sich schliesst, irgendwie, irgendwo, irgendwann eine neue öffnet. Und ich diese dann auch festen Schrittes und offenen Geistes erreichen will.

»Man weiss nie, wofür es gut ist.« Ein so simpler wie kurzer Satz, der so viel Hoffnung und Zuversicht in sich birgt und einen nicht zuletzt vielleicht auch ein klein wenig mit sich selbst versöhnt. Dafür ein Danke von Herzen, liebe Omi.

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