Es ist Zeit | Emma denkt.
67318
post-template-default,single,single-post,postid-67318,single-format-standard,eltd-core-1.1.1,audrey-ver-1.3.1,eltd-smooth-scroll,eltd-smooth-page-transitions,eltd-mimic-ajax,eltd-grid-1200,eltd-blog-installed,eltd-default-style,eltd-fade-push-text-right,eltd-header-centered,eltd-no-behavior,eltd-default-mobile-header,eltd-sticky-up-mobile-header,eltd-menu-item-first-level-bg-color,eltd-dropdown-default,eltd-,eltd-fullscreen-search eltd-search-fade,eltd-side-menu-slide-from-right,wpb-js-composer js-comp-ver-6.0.5,vc_responsive
 

Blog

Es ist Zeit

Ich gehe mit Schritten den Bahnsteig entlang, die sich anfühlen
als gehörten sie mir. Die Septembersonne scheint mir ins Gesicht.

Über Geleise und Gezeiten hinweg.

Auf jede deiner Antworten habe ich unzählige Fragen,
auch wenn mir die Stimme fehlt, um sie laut zu stellen.

Du nickst und winkst mich in Gedanken weiter.

Ich hebe meinen Blick in Richtung weg von jetzt und hier,
sehe Himmelblau neben Wolkengrau und schlucke leer.

Mein Heimweh fühlt sich an als wäre es geklaut.

Irgendwo in der Stille, die all die geschwiegenen Worte umgibt,
welche von dir, mir und anderen erzählen, zehrt die Zeit von ihr.

In mir ist es einmal mehr zu laut.

Ich drehe den Kopf, Haare und Herz schwingen mit.
Ein Teil von mir bleibt stehen, während der andere weitergeht.

Ich schaue mir nach und staune.

Da vorne geht ein Mensch, den ich so gut kenne wie keinen anderen.
Da hinten bleibt jemand zurück, den ich nie zuvor gesehen habe.

»Ich liebe dich« sage ich selten. Schweigen kann ich es ganz gut.

Ich sehe mich im Vorbeigehen zwischen Zeilen auftreten und hoffe,
dass sich Worte mich für einmal als Beispiel nehmen.

Ich weiss nicht, wie man innere Jahreszeiten weiter winkt.

Das sich plötzlich aufdrängende Gefühl von Wehmut in jenen
wenigen Tagen bis Wochen, da es Sommer und Herbst zugleich ist.

Es kriegt mich jedes Jahr wieder.

Da ist Existenz und Fehlen, Überfluss und Mangel,
Vehemenz und Zurückhaltung, Zuversicht und Resignation.

In Ton und Farbe. In Wirklichkeit.

Die Zeit heilt keine Wunden. Sie zieht uns weg von altem Schmerz,
hin zu neuem. Manchmal gehen wir freiwillig mit.

Gegangen um zu bleiben.

Ich setze weiter Schritt vor Schritt, drehe mich nicht noch einmal um.
Was zurückbleibt, gehört mir nicht mehr.

Ein Lächeln, das man nicht sieht, bloss spürt.

Ich atme Bedingungslosigkeit ein
und längst zerronnene Minuten, Stunden und Tage aus.

55+

Kommentare

  • Mo

    Wie absolut wunderbar und nachvollziehbar ist dieser Text !!!
    Sehe mich sehr in ihm ….

    Vielen Dank dafür, „Emma“ – einfach großartig!!

    Sei lieb gegrüßt, Mo

    0
  • Tanja-Stella Niesen

    Wow, wow, wo!
    Wieder ein unglaublich toller Text, man kann ihn beim Lesen nachfühlen.
    Danke von Herzen liebe Emma!

    0
  • Tanja-Stella Niesen

    Sorry, ich habe ein w vergessen ☺️

    0
  • Christiane

    Oh wie wunderschön und berührend!!!!!
    Danke..🌻

    0
  • Simi

    Was für eine Freude wenn man in seine Mails schaut und eins von Dir dabei ist das es einen neuen Text gibt. Du glaubst gar nicht wie sehr du mir von Zeit zu Zeit fehlst.
    Was für ein Text wieviel von meinem Leben da drin steckt und wie schwer es ist wenn weiter gehen eigentlich nicht möglich ist. Berührt mich gerade sehr wo das Leben kaum aushaltbar ist.
    Danke Dir du wundervolle 🤗

    3+
  • Stefan Geiger

    Schweigen kann ich es ganz gut…

    Wem fallen solch Wortwendungen ein ausser Emma ? Fantastisch, ich fühle mich total erkannt in diesem Deinem Gedicht !!!

    Wunderschön gesetzte Worte , danke sehr , liebe Michèle
    👌✌👏👏👏😘❤❤❤

    0
      • Stefan Geiger

        Absolut verdient, liebe Michèle 👍👌🤙❤❤❤

        0
  • Jen

    Vielen lieben Dank für den wunderbaren Text. Er passt gerade sehr gut. Danke, dass du hier weiter machst. 🙏🏻❤️

    0
  • Anita

    Einfach wundervoll 🖤

    0
  • Tabea

    Gefällt mir sehr, sehr gut und kann ich so gut nachvollziehen. Vielen Dank für diese tollen, magischen Worte!

    0
  • Janna

    Nächste Woche werde ich geschieden. Nichts was ich jemals so haben wollte. Nun ist es wie es ist.
    Dein Text beschreibt meine Gefühle dazu ziemlich gut. Danke dafür. Danke für all Deine Texte.

    0
  • Jaani

    Ich liebe deine Worte. Nicht, weil ich mich immer irgendwie in ihnen wiederfinde. Nicht, weil sie Worte sprechen, die keiner anderer so verpacken kann. Nicht, weil sie von Wahrheit und Erkenntnis strotzen.
    Ich liebe deine Worte, weil simples lesen nicht reicht. Ich liebe deine Worte, weil sie voll Leben sind und voll Geheimnis. Einmal lesen reicht nicht. Ich lese sie zweimal, dreimal, zehnmal. Ich fühle, ich verstehe und doch ist da etwas Verborgenes. Es berührt. Aber vor allem verändert es. Es hebelt mich aus meinen Alltagsgedanken und lässt mich in einen Raum des Ichs schweben, wo ich fühle, dass ich wieder MIR begegne. Ich begegne in deinen Texten mir selbst…aber es braucht Zeit…denn einmal lesen reicht nicht. Deine Texte sind keine Einmal-Lektüre. Deine Texte sind Lebenslektüre. Sie durchdringen. Stück für Stück. Einmal, zweimal, dreimal, zehnmal. Und ich liebe es. Danke. Von Herzen.

    2+
  • Alex

    hach liebe Emma, ‚gegangen um zu bleiben‘, wie so oft, da steht Wasser in meinen Augen. So wunderbar, wundergut, wunderschön. ‚Mein Heimweh fühlt sich an, als wäre es geklaut.‘ wie wahr und ein unendlich Danke dafür.

    0
  • Katharina

    Danke liebe Emma dass du immer gerade das sagst wofür mir so oft die Worte fehlen. Deine Worte sind so schön, so kraftvoll, so wichtig!
    Du berührst ♡

    0

Schreibe einen Kommentar